July 28, 2010

fristlos aufhetzen

 
Eine Zeit lang, gegen Ende des Aufenthalts in der Harten Klinik aber auch danach, hiess die Devise, mich gegen meine Ex-Frau aufzuhetzen. Und umgekehrt. Wie man mich zu einem Streit vor meinem Sohn herausforderte habe ich einmal kurz erwähnt. Bei dieser Gelegenheit ist auch ein Pfleger auf meine Ehefrau zu, und fragt sie ob ich nun freiwillig in der Klinik sei oder ob man mich wegen dem berühmten Anruf der Schwägerin mit dem Hausarzt eingeliefert habe. Da geht also ein Pfleger mit aggressiven Tonfall auf meine damalige Ehefrau los, und giftet sie an ob sie mich hinter Gittern geschaffen hätte.

Einmal musste sie zum Arzt zu einer Untersuchung. Ein Pfleger sagte mir, es gäbe Frauen die sowas erfinden würden nachdem der Partner seine Trennungsabsichten ausgesprochen hätten.

Oder Erzengel Gabriel in der Villa am Hönggerberg der mich unterbrach, als ich von der Bekanntschaft mit der Jungen Dame etwas sagte, und etwas über "anderen Umgang" in die Welt posaunte. Er wusste also von der Bekanntschaft und er wusste von den Problemen mit der Ehefrau und musste mich unbedingt belehren, dass der einzige Unterschied zwischen den beiden Beziehungen ein "anderer Umgang" wäre.

Aber es ging weiter. Und wie. Man hat sich wirklich grosse Mühe gegeben, um möglichst viel Öl in das ungesunde Feuer zu schütten, dass "zu Hause" brannte. Da war diese Sozialarbeiterin die — nach meiner SMS-Einladung an einer ganzen Reihe von Mitpatienten und ehemaligen Arbeitskollegen zu einer Grill-Party — auf mich zukam und sagte "Wir haben uns auch überlegt, zur Grill-Party vorbei zu kommen!" Heute habe ich sie darauf angesprochen. Wollte wissen, ob sie dabei wäre, wenn ich einen weiteren Grill-Abend organisieren würde. Sie unterbrach mich und rief aus, sie habe niemals so etwas gesagt. Da verlor ich die Geduld und fragte "Will du sagen, ich lüge, wenn ich weiterhin behaupte du sagtest zu mir, ihr hättet euch überlegt an die Grill-Party zu kommen?" Plötzlich meinte sie, sie habe doch etwas gesagt, aber nur weil der und derjenige etwas gesagt hatte, und der sagte dann zu dem... usw.

Dann, kam eine interessante Aussage: "Was ich meinte war, dass die dort anwesenden wirklich ganz ganz schlimme und abgestürzte Leute waren. Dass du aufpassen solltest, wen du da einladen würdest. Dass einige von den Gesten wirklich nicht empfehlenswerte Subjekte waren!" Und dies ist interessant in so fern, dass es die Behauptungen meiner Ehefrau über die geladene Gäste waren. Sie hatte nämlich ausgerufen, sie wolle auf keinen Fall solchen Abschaum in ihrer Wohnung. Nun, wenn die Sozialarbeiterin dachte, sie würde mir einen Gefallen machen, in dem sie die absurden Äusserungen meiner Ehefrau parodiert, dann hat sie sich gewaltig getäuscht!

Plötzlich stellte sie die Frage in den Raum "Wer erfindet denn all solche Geschichten?" und sie schien sich noch recht zu amüsirien. Als ich etwas von "nichts erfunden" und von "grossem Schaden der mir zugefügt wurde" sagte, lachte sie plötzlich nicht mehr. Aber ganz nervös wurde sie als die Rede von einer Massnahme gegen mich war, die vor etwa 1 1/2 Jahren ausgesprochen wurde. Bei dieser Gelegenheit schickte mich ein Kollege von ihr zu einer fiktiven Chefin, "in der Stadt". Komisch, dass der oberste Chef dieser Leute ein Mann ist und war... Nun war Frau "Ist doch so lustig" auf einmal nicht mehr wirklich amüsiert. Im Gegenteil: Sie wurde plötzlich extrem nervös und agressiv. Woran mag dies wohl liegen? Wurde da vielleicht nicht so richtig nach "Fahrplan" gefahren? Warum solche Nervosität, auf einmal?

Irgendwann sagte sie auch etwas von fristloser Entlassung. Es geht darum, dass ein Sozialarbeiter gewisse Grenzen nicht überschreiten darf in den Aussagen gegenüber der "Kundschaft" und im Weitergeben von Informationen. Da dachte ich mir "Vielleicht sollte man sich solche Gedanken machen, bevor man das Maul öffnet, oder?" Doch ich sagte was anderes: "Weisst du weshalb ich überhaupt das Thema jetzt noch aufgreife, nach so langer Zeit? Normalerweise würde mir sowas "am Arsch" vorbei, doch in diesem Fall beschäftigt es mich weil ich das grundsätzliche Problem habe, die die es gut zu mir meinen von denen auseinander zu halten die es weniger gut zu mir meinen. Und das finde ich wirklich traurig und ungerecht denen gegenüber, die mir zu helfen versuchten." Darauf kam keine Antwort, ihrerseits.

Doch war sie wiederum sehr schnell darin, mir den Vorwurf zu machen "Du trägst das ja noch mit dir mit!", als wäre es eine Schuld von mir. Ja... Ich trage solchen Schrott noch mit mir mit, und ich würde alles geben um es loszuwerden. Doch so funktioniert das nicht. Willst mir das wirklich vorwerfen? Willst du mir das wirklich vorwerfen? Wirklich? So wie du mir nach Austritt aus der Harten Klinik vorgeworfen hast, dass ich die Missstände mit meiner Ehefrau so lange ertragen habe, dass mich mein Sohn darauf Aufmerksahm machen musste? Denn dies sagte sie mir in Tat und Wahrheit, damals. Sie schwafelte etwas von meinem Sohn, der mich auf irgendwas bezüglich meiner Ehefrau Aufmerksahm machen musste, damit ich es endlich realisieren würde. Und du ermahnst mich jetzt, dies könne eine fristlose Entlassung bedeuten?

Ich sag dir was. Ich weiss nicht, ob du es gut oder schlecht meinst. Wie auch immer: Sogar wenn du es gut meinst, glaubst du wirklich dass wenn dir jemand sagt die ganze Schuld würde bei meiner Ex-Frau liegen und sie sei dafür verantwortlich, du irgendwas in dieser Geschichte zu melden hast und sie dann parodieren sollst? Glaubst du wirklich, so gut du es auch meinen magst, irgendwas oder irgendwer gäbe dir das Recht zu solch Klugscheisserei?

Ich sagte schon mal, wenn jemand gemobbt wird, dann fühlt sich im Normalfall keiner wirklich verantwortlich. Der Einzelne versteckt sich hinter der Gruppe, denn diese trägt in den Augen eines jeden Täters von Mobbing die Verantwortung. Doch dem ist nicht so! Deine, in deinen Augen vielleicht harmlose Sätze, sind genauso Teil von dem Mobbing der mich fertig gemacht hat, wie die meiner Ex-Frau oder die von gewissen Pflegern in der Harten Klinik, der Villa am Hönggerberg, von gewissen Ärzten usw.

Und eine fristlose Kündigung hast du verdient, wenn deine Absichten nicht wirklich über jeden Verdacht erhaben waren. Ich weiss es nicht. Ich weiss es noch nicht. Aber ich werde schon noch erfahren, ob das Ganze so lustig ist, wie du tust! Nun weiss ich es (noch) nicht.


Genau so wenig wie ich weiss, wer diesen Typen mit Informationen fütterte, der sich als Bekannter vom "Kunst-Pfleger" ausgab (meine Sympathie zu ihm war kein Geheimnis) und der mir sagte, "Pappkopf" habe ihm empfohlen sich von mir fern zu halten: Ich sei kein guter Umgang! Hat sie das wirklich gesagt? Ich weiss es nicht. Aber ich weiss, dass er sich die Freiheit genommen hat, einfach so, meine Ehefrau eine "Latina-Bitch" zu nennen! Sowas habe selbst ich mir nie erlaubt... Aber auf diesen Typen werde ich noch zurückkommen. Denn zu viele sind die Dinge, die man mir über ihn auftischen wollte, neben Kuchen und Schweinefleisch.

Ein letztes Beispiel für das Aufhetzen gegen meine Ex? Noch in der Klinik, findet dieser Mitpatient der mir sagte, die Junge Dame sei einzig auf der Suche nach ihrer Sexualität, der der mir sagte ich solle am Sonntagnachmittag doch in die WG der Jungen Dame, die sich bestimmt über meinen Besuch freuen würde, der der sagte ich würde da etwas mit dem Thema Liebe ausprobieren, der der sagte ich solle kleine Schritte beim zweiten Anlauf zur Eroberung der Jungen Dame machen, ja der... Ich werde auch auf ihn zurückkommen. Jedenfalls wollte er mir einen Witz erzählen: "Ich sass an der Copacabana mit Kollegen. Einer war ein Deutscher. Da kommt plötzlich eine Brasilianerin auf uns zu uns erklärt ihm, sie habe ein Kind von ihm bekommen, von damals bei seinem letzten Besuch in Brasilien als er mit ihr in die Kiste stieg. Nun hat sich dieser Kollege tatsächlich ein Kind aufbinden lassen, dass höchst wahrscheinlich gar nicht seins war! Ich weiss nicht ob du diesen Witz lustig findest... Ich jedenfalls finde ihn wirklich sehr sehr komisch!"

Und... dass zwischen all dieser Dinge eine Verbindung besteht, dass da die Äusserungen von immer den selben paar Menschen über dutzende von Leute an mich herankamen, das wird wieder nur meine Paranoia sein, oder? Doch, falls nicht, könnte es ein paar fristlose Entlassungen geben, irgendwann. Mal sehen was meine Ex-Frau dazu meint. Oder ist sie nun auf einmal eine ganz liebe und vernünftige? Ist die Junge Dame nun die Böse? Oder wer ist diesmal dran?

Das verrückte ist, dass ich solch Geschichten zu Haufe habe, die sich in Tat und Wahrheit ereigneten. Ich könnte, in einem kontinuierlichen Crescendo, während ein paar Stunden schreiben. Und das werde ich auch. Stück für Stück. Wie zum Beispiel das vom Zahnarzt. Oder das von der Tagesklinik. Oder das von der "Pouletbrust". Oder der "wahren Liebe". Oder das von "der richtigen Zeit und dem richtigen Ort". Oder...
 

July 27, 2010

Eigen & Fremd (verantwortung)

 
Ich wusste es, habe es immer gewusst, und bin das Risiko eingegangen. Damals wie heute wusste ich, nur wenn jemand in der ganzen Sache involviert ist, der nicht mit der Absicht unterwegs ist, mir das Genick zu brechen, nur in diesem Fall hätte ich überhaupt sowas wie eine Chance, mir das Genick nicht brechen zu lassen. Ich wusste und weiss, dass ich von den Absichten und Möglichkeiten anderer Menschen abhängig sein werde. Nur wenn jemand den Wille (aus welchem Grund auch immer) haben sollte, meine Sicht der Fakten zu bestätigen, nur dann hätte meine Geschichte die Chance, nicht im Altpapier respektive in der Gummizelle zu landen.

Ob es diese Menschen gibt, ob sie je gewillt waren mich in einem anderen Licht als das des Wahnsinnigen und des Lügners zu stellen, ob der Wille noch heute vorhanden ist, all das kann ich nicht beantworten. Einzig und alleine kann ich meinem Glauben vertrauen. Mein Glaube an einem Menschen, der erst durch Schmerz und Schwäche zum Täter wird. Mein Glaube an den Göttlichen Hauch, der unsichtbar Leben und Liebe auf die Erde atmet. Meine Zuversicht in die Zukunft. Mein Glaube daran, wie alles was geschah zu geschehen hatte.

Obwohl ich, gerade diesem letzten Punkt betreffend, noch nicht so weit in meiner Verarbeitung bin. Was die letzten zwei Jahren betrifft, gehe ich davon aus eines Tages diese Sichtweise haben zu können. Heute bin ich aber noch längst nicht so weit. Doch ich gehe davon aus, diese Sichtweise zu erreichen werden. Auch im Wissen, dass bis dahin mein Wesen verletzt und ängstlich, misstrauisch und gehemmt sein wird. Wohl wissend, dass ich kein Leben leben möchte, in dem mich das erlebte Trauma noch beherrscht. Doch leider weiss ich bis heute nicht, wie ich zu diesem Bewusstsein gelangen könnte. Ich habe wirklich versucht mein Möglichstes zu geben. Ich kann mit ruhigem Gewissen behaupten, mich nicht verantwortlich zu fühlen für die Probleme die ich aus dieser Zeit mit mir herumschleppe. Ich kann behaupten alle Konsequenzen voll und ganz zu vermeiden versucht zu haben. Ich kann dies mit ruhigem Gewissen behaupten, doch auch dies hilft mir irgendwie weiter.

Wie gesagt: Ich bin auf die Absichten und Möglichkeiten anderer Menschen angewiesen. Alleine, kann ich nicht im Geringsten einschätzen, wie viel Zeit durch die Gebetsmühlen zu wehen hat, bevor ich mich wieder als solch
FREIES HERZ und FREIE SEELE
fühlen kann, wie ich mich unmittelbar vor den traumatischen Ereignissen fühlte. Und solch Gefühl wünscht man jedem Wesen auf Erden, wenn man es einmal erleben durfte.

Moral dieser Zeilen? Meine Genesung, die Überwindung der erlittenen Wunden, ist zur jetzigen Zeit teils in meiner eigenen Verantwortung, leider aber auch zu einem Teil in der Verantwortung anderer Menschen. Mit deren Unterstützung, wäre der Heilungsprozess viel viel schneller und effektiver voran zu treiben, als einzig auf die heilende Wirkung von Zeit vertrauend.

Auf meine Heilung wartend, hin und her gerissen und teils fast in der Luft zerrissen, dann wieder sanft gebettet schlafend oder amüsiert träumend, teils mit dem Gefühl das Leben nie mehr meistern zu können, teils mit dem Gefühl es nicht mehr abwarten zu können, dem Leben die Schlaufe und das Geschenkpapier abreissen zu dürfen, um die Überraschung in der Geschenkschachtel zu entdecken.
 

July 24, 2010

ein Herz wie eine Nuss

 
BREAKING NEWS
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Neues Bildmaterial wurde geliefert! Diesmal handelt es sich um ein Bild von Direktor Gebrochene Lanze. Welche Tätigkeit er gerade am ausüben ist, konnte nicht zufriedenstellend geklärt werden. Die Einen meinen, das Bild würde ihn bei der Herstellung von Zahnstochern zeigen. Andere sagen, dies sei Teil seines Engagements im Rahmen eines Projekt zur Herstellung von Toiletten-Bürsten nach Kriterien der Wiederaufwertung von natürlichen Materialien.

Ziemlich alle sind sich jedoch darüber einig, dass er dabei gesagt haben soll
Mann oh Mann!
Hab ich Nüsse oder habe ich Nüsse?

Bild: Mahira Ateş


Direktor Lanzy: der Beweis dafür, wie ein Herz für die Natur kein Wiederspruch zu einer richtigen, harten Nüss sein muss!

Wo die nächste Nuss herkommen soll, scheint zur Zeit noch nicht völlig geklärt zu sein. Direktor Lanzy dazu
Hört doch auf, mit solchen Pseudo-Problemen. Nüsse wachsen auf den Bäumen, das weiss doch jeder!

Danke Direktor Lanzy: Du machst uns allen vor, was es heisst, eine Führungs-Persöhnlichkeit zu sein.


Hier sind weitere Beiträge der Serie "Breaking News" zu finden
 
 

Beobachtungs-Team

 
Ziemlich zur selben Zeit als Doktor Y mich aus der Psychotherapie-Station für eine "Auszeit" zur Therapie-Station verfrachtete, machte einer der Pfleger folgende Bemerkung:
Sie sollten wissen: Jeder [Patient] der sich hier auf der Psychotherapie-Station befindet, wird recht gut beobachtet. Ja... Hier wird man ziemlich genau beobachtet.
Und jetzt? Soll mir das irgendwas sagen? Etwas erklären? Soll mir damit klar werden, dass man mich eigentlich rausschmeissen musste? Soll das irgendwas erklären? Was...? Damals ging ich noch davon aus, man wollte mir nichts Schlechtes. So kam es, dass ich nicht nachfragte.

Jeder Ethnologe und jeder Physiker kann ein Lied darüber singen, wie problematisch "Beobachtung" sein kann. Denn, die Beobachtung selbst beeinflusst viel zu oft das Beobachtete. Doch, nicht zufrieden damit, eine äusserst eingreifende Beobachtung als reine wissenschaftliche Darstellung der Fakten zu verkaufen versuchen, hat man sich in der Harten Klinik entschlossen einen folgenschweren weiteren Schritt zu machen: Man hat konsequent und im höchsten Grade Einfluss auf das "Beobachtete" genommen um dann sowohl die Einflussnahme wie auch die Beobachtung selbst zu leugnen (zumindest mir gegenüber)!


Angela Di Sanza: Ti guardo! ...mi vedi?

Zur Veranschaulichung: Gerade fand die Fussball-WM statt, also nehme ich ein Fussballspiel als Kulisse für die Erklärung. Du, der am lesen bist, spielst mit deinem Team als Gast beim Top-Favoriten, in seinem Heim-Stadion. Schon in den ersten Minuten, als der Ball ins Aus gespielt wird und ein Spieler der gegnerische Mannschaft zur Seitenlinie geht um dort den Ball einzuwerfen, geht der Assistent vom Schiedsrichter zum Spieler hin und redet auf ihn ein. Es fallen mehrere Sätze, der Spieler hört nur zu ohne etwas zu sagen, nickt aber wiederholt als Zeichen dafür, dass er alles verstanden hat. Nun bringt er den Ball wieder ins Spiel und dieses geht weiter. Als der Spieler zum ersten Mal in deine Nähe kommt merkst du wie er sich umschaut und dann, völlig überraschend, tritt er dir ins Schienbein. Die Schmerzen jagen durch deinen Körper. Du liegst am Boden. Als du dazu in der Lage bist, schaust dich um, nach dem Schiedsrichter Ausschau halten, nach der Roten Karte suchend. Nichts. Absolut nichts. Niemand scheint überhaupt irgendwas mitbekommen zu haben. Das Spiel geht weiter. Bei nächsten Einwurf, geht der Linienrichter auf einen anderen Spieler zu und es wiederholt sich das Gespräch von voran. Kurz darauf liegst du wieder mit dem Gesicht nach unten am Boden. Der Schmerz ist so stark, du beisst ins Grass, ohne es überhaupt bewusst zu merken. Du stehst auf, nimmst dir die Grashalme aus dem Mund, schaust dich um. Nichts geschieht. Das Spiel wurde, wie zuvor, nicht einmal unterbrochen. Beim dritten Mal platzt dir der Kragen: Du gehst zum Schiedsrichter und fragst ihn, ob er denn Tomaten auf den Augen habe. Er verwarnt dich wegen Mangel an Respekt. Gesehen, habe er nichts. Du gehst zum Seitenrichter und bittest ihm um eine Erklärung. Dieser sieht dich völlig verdutzt an und fragt zurück, wovon hier überhaupt die Rede sei. So geht es eine ganze Weile weiter. Als der erste Spieler der dich angegriffen hat wieder dran wäre, als du weisst jetzt würdest du den vielleicht 10 Fusstritt verpasst bekommen, hasst du keine Geduld mehr und verpasst ihm einen Fadengraden. Du, natürlich, bekommst sofort die rote Karte. Am nächsten Tag wirst du von allen in der Luft in Stücke zerissen. Die Zeitungen schreiben, Spieler wie dich habe der Fussball weiss Gott nicht nötig: Nicht nur würdest du ununterbrochen irgendwelche erlittenen Fouls simulieren, nein, wenn deine schauspielerischen Fähigkeiten nicht ausreichen, schreckst du nicht davor zurück, den wichtigsten Spieler der Gegenmannschaft mit einer Box-Einlage aus dem Spiel zu nehmen. Eine Schande seist du, für deine Mannschaft, für deinen Coach, für die Fans, für den Sport, für die Jugend die Vorbilder braucht, für das Geld was du verdienst und nicht wert bist.

Was würdest du nun unternehmen, bevor du dich am nächsten Wochenende ins nächste Spiel stürzt? Mit wem würdest du reden wollen? Worüber würdest du reden wollen? Was würdest du nun als Argumente bringen? Würdest du überhaupt versuchen, jemanden zu beschuldigen? Würdest du die ganze Wahrheit erzählen, wie du sie anscheinend als Einziger erlebt hast?

Kannst du diese Fragen beantworten? Wüsstest du, was zu tun wäre? Nun... Ich, ehrlich gesagt, wusste es nicht wirklich.

Man hat mich also genau beobachtet? Und was will man beobachtet haben? Und soll das Beobachtete einfach das wiedergeben, was meine Person ausmacht? Ausserhalb der Klinik und ausser Reichweite dieser völlig durchgeknallten Linienrichter? Pardon, Psychiater, meinte ich... Wissenschaftlich arbeitenden Psychiater! Dazu kommt noch, dass einige Männer der Bundespolizei das Ganze mitbekommen hatten. War es also derart abwegig von mir anzunehmen, dass der Linienrichter nicht einfach so weitermachen konnte, als wäre nichts geschehen? War es daneben, wenn ich davon ausging, er hätte sich für seine Taten verantworten müssen. Wie sich auch die Spieler für ihre Taten hätten verantworten sollen? Doch, zu meiner Überraschung: Verantworten musste sich bis heute kein Schwein. Dafür konnten sich einige über mich lustig machen und sich bestens amüsieren. Sie fragten mich
Wie war das? Zwei Agenten und das Problem ist gelöst?
Wie bitte? Was habt ihr gerade gesagt? Also wisst ihr über mein Problem Bescheid! Ihr wisst, was man mit mir gemacht hat! Die Antwort darauf
Wovon redest du denn überhaupt?


Und, um es wieder einmal angesprochen zu haben: Dies war erst der Anfang! Dass die Ereignisse auf dem Spielfeld (heisst in der Harten Klinik) nicht dort aufhörten, dass ab diesem Zeitpunkt jeder Tag meines Lebens — bis hin zu den Privatbeziehungen und dem Umgang mit Institutionen und Behörden — mit Vorkommnisse dieser Art vollgespickt sein sollten, ist auch Teil der "nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführten Beobachtung", die von der Harten Klinik durchgeführt wird. Dazu mehr demnächst.

Ich gehe inzwischen nachsehen, ob die Seitenlinie auf dem Fussballfeld gerade gezogen wurde. Dabei wird man mich wenigsten ziemlich sicher nicht stören... Und auch nur weil ich damit niemanden schaden kann: Das interessiert schlicht und einfach keine Sau! Mehr sollte ich mir zur Zeit nicht zumuten wollen. Leider leider habe ich mehr als 2 Jahre benötigt, um diesen Gedanken überhaupt einigermassen akzeptieren zu können. Ob dies die Resultate der "Beobachtung" beeinträchtigt haben kann? Ob dies einen negativen Einfluss auf Auswertung und wissenschaftlichen Schlussfolgerungen und Ableitungen haben könnte? Was soll's...? Schon wieder denke ich darüber nach. Dabei sollte ich ja nur kontrollieren, ob die Linie gerade ist!


Vorbild-Funktion in der Sportwelt. Harte Klinik zeigt allen, wie echter Teamgeist aussieht: Ein Herz und eine Seele!

Bild: Fabien Perez