July 31, 2010

erzählt ihr doch mal...

 
Eine kleine Frage hätte ich da... Oder zwei. Oder drei...

Zum Beispiel: Die Junge Dame sagte zu mir, sie hasse es wenn Joe Abfall ins K&A geht, um zu konsumieren. Nun frage ich sowohl die Ärzte in der Klinik wie auch die Leute vom K&A Oerlikon, wie um alles in der Welt konnte die Junge Dame vom K&A wissen? Wusste sie es von den Ärzte in der Klinik? Und, wenn ja, woher wussten die etwas?

Kann es vielleicht sein, dass ich den Fluss an Informationen immer aus der falschen Perspektive betrachtete? Kann es vielleicht sein, dass man auch von den K&As in Richtung Harte Klinik Informationen schiffte, anstatt wie ich immer angenommen hatte einzig umgekehrt?

Hier ein anderes Beispiel: Der Sozialarbeiter im K&A Oerlikon, mit den Tränen in den Augen sagte zu mir: "Niemand aus der Klinik hat uns angerufen, das MUSST du mir glauben!" Ich glaube es ja... Aber woher wusstest du dann was in der Klinik geschehen war? Wer hat wen angerufen, genau? Ich meine... Ausser den Anrufen von Joe Abfall, die ich bekommen habe!

Oder hier noch eine Frage an Doktor Gassejoe: Wie kommt es denn, dass ich einmal mit dir an einem Tisch sass, vor der Harten Klinik, und wir über meine Zukunft sprachen, und dass ich in eine Klinik wollte und, neben uns, ein Typ sass der dauernd etwas davon sagte, dass sein Vater in zur Beschneidung gezwungen hatte? Wie kommt das? Ich meine... Ist es nicht ein riesen Zufall, dass zu dieser Zeit bei mir zu Hause die Rede von einer Fibiose war? Ist das nicht ein recht krasser Zufall?

Und dann frage ich Pippa, kann es sein dass dieser Vergleich mit den Juden etwas mit Beschneidung zu tun hatte? Pippa Pippa... Aber woher wusstest du denn, dass ich beschnitten bin, du kleine Sau?

Oh Mann... Es kommen mir so viele Fragen in Sinn, ich könnte Stunden lang schreiben. Und irgendwie ist es befreiend, du hast recht, Andrew! Es ist wirklich befreiend langsam den Schleier vor der Realität lüften zu können. Es ist sogar extrem befreiend, findest du nicht auch? Möchtest du vielleicht mit deiner Mutter darüber reden? Oder lieber mit meiner?

Langsam kommen wir der Sache näher, habe ich das Gefühl. Da wäre zum Beispiel Sascha. Und alles was ich bei ihm zu Hause sagte und tat, war am nächsten Tag in aller Munde im K&A. Ist das nicht seltsam? Und Sascha ist ein übler Dealer! Da tue ich und sage Dinge in der Wohnung eines Dealers und, am nächsten Tag, spricht das ganze K&A Oerlikon (inklusive Team!) darüber. Und die andern? Luca, zum Beispiel... Der mir das Trommelfell perforiert hat. Aber ich höre noch! Ich höre, wenn Weischwas droht, ich würde für eine ganz lange Zeit einen Verbot bekommen. Und ich höre sie, wenn sie etwas über Eigen-Verantwortung zu labern beginnt. Ich höre sie und wie!

Wie ist das, Weischwas? Weisch was Weischwas? Reden wir doch über Eigen-Verantwortung und all den Scheiss den ihr in den letzten Jahren gebaut habt. Als ich ins Drop-In bin und der Typ, dessen Chef Doktor No heisst, mir sagt dass meine Patchwork-Familie nicht funktioniere, beim ersten Treffen. Reden wir über Eigen-Verantwortung und die Besuche im Hotel in Seebach, die man mir gemacht hat. Wer kletterte da in der Landschaft herum? Wer spazierte da auf der Strasse unter dem Hotel? Ach... War da nicht dieser Typ mit den Tränen in den Augen? Oder habe ich falsch gesehen, vor lauter Tränen in meinen Augen?

Wie ist das also? Worüber wollen wir reden, wenn ich morgen vorbei komme? Muss ich mir 2 Ukrainische Bodyguards organisieren oder verschont ihr mich, in der Annahme dass mir all dies eh niemals je ein Schwein glauben könnte? Aber vielleicht doch, wisst ihr? Wie ist das also? Erzählt mal...

Wollen wir darüber reden, was in dieser verhängnisvollen Nacht geschah, als ich meine Mutter am Telefon hatte und mich im Vollrausch befand? Wollen wir darüber reden, Weischwas? Ich werde noch auf diese Nacht zurückkommen, doch für den Augenblick können wir ja mal darüber reden, wie du mich am nächsten Tag gefragt hast, ob die Schürfungen an meinem Arm vom Konsum stammen würden? Ja, du fragtest mich, ob ich vielleicht mit dem Konsum übertrieben hätte. Natürlich, natürlich... Ein reiner Zufall. Weischwas, lass uns doch über Zufälle reden. Erzähl mir doch von all den Zufällen, in denen du komischerweise etwas zu melden hattest. Erzähl mir doch davon...

Ich erzähle schnell auch was: Langsam könnte es sein, dass ich etwas wütend geworden bin. Ganz ganz langsam. Aber erzählt doch mal...
 

July 30, 2010

die Namen

 
Alte Bekannte: Ich habe in diesen 2 Jahren über mehrere Menschen geschrieben, die irgendwie in den Vorkommnisse in und nach der Harten Klinik involviert sind. Viele dieser Menschen habe ich nicht mit wahrem Namen zitiert. Ich werde (ausser weniger Ausnahmen) auch weiterhin nicht ihre Namen schreiben, dennoch werde ich ihnen Namen geben, der Einfachheit halber für die nächsten Posts.


Pfffuff
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Da haben wir zum Beispiel die Mitpatientin, welche die Junge Dame beschuldigte, eine Vergewaltigung vorgetäuscht zu haben. Sie hat auch dafür gesorgt, dass ich eine weitere Handy-Nummer (zusätzlich zu der die ich von der Jungen Dame selbst bekommen hatte) benutzte. Sie hat auch behauptet, die Junge Dame würde mit mir spielen und meine Gefühlen keineswegs erwidern. Mehr von dieser Zeitgenossin später. Ich werde sie Pfffuff nennen.

Italo
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Der Pfleger der mir sagte, er betrachte psychiatrische Pflege nicht so sehr als Wissenschaft, sondern viel mehr als Kunst. Wie gesagt, ich empfand grosse Sympathie für ihn und dies war allgemein Bekannt. Ich werde ihn Italo nennen.

Geissmann
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Geissmann ist ein Pfleger auf der Akut-Station der Harten Klinik. Er machte oft Nachtdienst. Die Junge Dame sagte mir einmal, sie würde ihn nicht von der Bettkante schupsen. Er zeigte mir, mitten in der Nacht, den Film "Black Snake Moan", über eine Nymphomanin und ein recht eigenwillige "Therapie" die ihr half, angekettet wie ein Hund in einer kleinen Hütte. Ihr Freund, ein von Angstattacken geplagter Soldat, wird auf sie warten, an sie glauben und somit schlussendlich von der gelungenen "Therapie" mit profitieren können.

Küchenschabe
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Ist ein Mitpatient auf der Akut-Station. Er wird mitbekommen wie ich hin und her verfrachtet werde, von einer Station auf die andere. Nach Austritt, wird er sehr dezidiert den Kontakt zu mir suchen und dafür sorgen, dass ich ihn regelmässig besuche. Er wird rechten Aufwand betreiben, um mein Vertrauen zu gewinnen. Er wird mich glauben lassen, mit Pfleger Italo auch schon privaten Kontakt gepflegt zu haben, mit Sabrina regelmässig zu verkehren, und auch mit der Jungen Dame irgendwie Austausch zu haben. Ausserdem hat er der "Kampf-Lesbe" den Namen gegeben und sie beschuldigt, während der Arbeit urteilend und wertend über andere Patienten gesprochen zu haben. Von Küchenschabe werde ich noch eine ganze Menge zu erzählen haben.

Pappkopf
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Ich pflege eigentlich niemals derartige Namen zu geben und zu gebrauchen. Bei der "Kampf-Lesbe" hatte ich bis jetzt beim schreiben eine Ausnahme gemacht, weil die Namensgebung von einem Mitpatienten kam und von vielen anderen Patienten übernommen wurde. In der Klinik habe ich niemals diesen Titel benutzt, wenn ich über sie gesprochen habe. Wie auch immer, ich nenne sie ab jetzt Pappkopf. Sie fand es lustig mir das Pappbecher-Werfen zum Abreagieren anzubieten, nach dem ich 3 Tage in der Iso-Zelle gefangen gehalten wurde.

Sabrina
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Über sie habe ich schon mehrmals geschrieben. Werde es aber noch einige Male tun müssen, hat man sie doch immer wieder ins Geschehen hineingezogen. Sabrina hatte mit ihrer freundlichen und aufgestellten Art guten Kontakt zu jedermann und war allgemein beliebt. Sie schien mit der Jungen Dame gut auszukommen, soweit ich dies mitbekommen und beurteilen konnte. Ich bin an ihrer Beerdigung gewesen, doch dies ein Post für sich, demnächst.

Fässli
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Von ihm habe ich auch immer wieder etwas erzählt. Es ist der Mitpatient der mir den Ratschlag gab neue Socken ohne Löcher zu kaufen, um damit in keinen Schritten den zweiten Anlauf zur Eroberung der Jungen Dame anzugehen. Er hat mir Witze über eine Brasilianerin erzählt, die einem Freund von ihm ein Kind angedreht haben soll. Und er hat noch einiges mehr an Aussagen und Behauptung gemacht.

Hohly
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Hohly war mein Zimmernachbar, als ich nach der Psychotherapie-Station und den vermeintlichen Mord-Drohungen zum zweiten Mal auf der Akut-Station logierte. Hohly war jung, frisch und knackig, Sex-Besässen und mit einer Borderlinerin liiert, von der er sich schon dutzende Male getrennt hatte: Er sagte, irgendwie würden sie es beide nicht schaffen, von einander zu lassen, obwohl sie nach jeder Versöhnung riesen Probleme und nur noch Streit hatten. Und Sex, natürlich.

Della Clotilde
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Dieser Pfleger auf der Akut-Station ist der Eingangs-Schlüssel für Doktor Y um zwischen mir und der Jungen Dame pfuschen zu können. Er hat zielstrebig und effektiv die Aussagen aus mir geholt, die von Doktor Y und Lady Marmelade bestellt worden waren. Nun hatten sie alle Türen offen. Nützen diese Tatsache aber dazu, jegliche Türen einzutreten. Mehr dazu gab es schon viel und wird es noch ein bisschen geben.

Achmed
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Man könnte ihn auch den "Brückenmann" nennen. Er baut Hängebrücken zwischen Menschen, die dann von anderen benutzt werden können. Er baute die Brücke zu mir, welche dann von Max dem Bundespolizisten benutzt wurde. Ausserdem machte er sich an den Wiederaufbau der Brücke zu meiner Ehefrau: Ohne Achmed wäre ich gar nie mehr in die Wohnung der Ehefrau zurück, zwischen der Harten Klinik und der Scheidung. Ohne Achmed hätte ich diese Zeit wahrscheinlich kurz im Hotel und dann in der Notschlafstelle gelebt.

Max
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Er ist von der Bundespolizei und gibt mir zu verstehen, über ziemlich alles informiert zu sein. Er weiss darüber Bescheid, wie ich meine Neujahrsfeste mit der Ehefrau verbracht habe. Er weiss, wie ich vor 20 Jahre mein Auto in der Coop "geparkt" habe oder wem ich den Führerschein auf den Pult geworfen habe, als ich ihn abgeben musste. Max war für mich Segen und Fluch zugleich. Alles in allem bin ich aber froh jemand wie Max und Achmed um mich gehabt zu haben.

Botox
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Er ist ein Ästhetik-Arzt mit einer Beziehung zur knapp 20 Jahre jüngeren Mina, die wiederum Kollegin meine Ehefrau ist und Untermieterin in unserer Wohnung. Botox und Mina werden in einer Nacht-und-Nebel Aktion fluchtartig aus der Wohnung verschwinden. Das ist nicht nur eine Redensart sondern Tatsache. Abends stossen wir noch zusammen an, bevor ich am nächsten Tag einen Termin beim Sozialamt habe. Als ich dann Abends wieder nach Hause komme, ist das Zimmer leer und die zwei auf nicht mehr wiedersehen verschwunden. Botox hatte einige Kollege, die sich als "Engel" zu erkennen gaben und somit mitteilten, sie wüssten über die ganze Geschichte in der Harten Klinik bescheid. Diese Figuren sind interessanter als die Zeit an der sie auftauchten glauben lässt.

Sascha
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Er ist der Nachbar, der zuerst einen auf Dealer macht, bis sein Eigenkonsum in dazu zwingt, die Krümel aus dem Teppich zusammen zu suchen. Extremes Grossmaul, extrem arrogant, zuerst bequem weil ganz in der Nähe meiner Wohnung. Er wird auch zu verstehen geben, alles zu wissen in Sachen Junge Dame, Joe Abfall und mir. Ausserdem wird er versuchen, mich zusammen zu schlagen.

Emmy
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Er war früher Psychiatrie-Pfleger, arbeitet nun als Sozialarbeiter beim K&A Oerlikon, nennen wir ihn Emmy (wie die Emmy Joghurts). Emmy ist der Typ der mir einmal sagte, er habe mit einer Borderlinerin zu tun gehabt, oben beim Sternen Oerlikon — komischerweise ist mir das auch widerfahren, kurze Zeit zuvor. Emmy ist der Typ der (als Einziger) über Doktor Y und die Junge Dame gesprochen hat, der sagte er wisse was vorgefallen sei, der sagte „wir“ wissen nicht weshalb Doktor Y so gehandelt habe. Emmy ist der Typ der mir sagte, ich hätte noch nicht viel in die Praxis umgesetzt, von dem was ich in der Harten Klinik erlebt hatte. Er ist der Typ der nicht antwortete, als ich ihn daraufhin fragte, ob er denn mein Leben leben wolle, wo er denn anscheinend so gut Bescheid wisse, was an meiner Stelle zu machen sei.

Weischwas
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Es ist die Sozialarbeiterin mit der ich gestern ein Gespräch hatte. Sie arbeitet im K&A Oerlikon (Kontakt und Anlaufstelle). Die K&A der Stadt Zürich sind Orte an denen Drogensüchtige unter Aufsicht konsumieren können. Sie entstanden bei der Schliessung von Letten und Platzspitz um die Strasse zu "säubern". Weischwas wusste — so wie alle Angestellten des K&A Oerlikon — über alles Bescheid, auch nach meinem Austritt aus der Harten Klinik. Sie aber, konnte die Zunge nicht im Zaun halten. Mehrmals sprach sie mich über Ereignisse an, von denen sie eigentlich überhaupt nichts wissen sollte, wie zum Beispiel SMS die ich der Jungen Dame geschrieben hatte oder Vorkommnisse bei mir zu Hause. Wenn ich jemand wie sie dann darauf anspreche, kommt als Erstes immer der Versuch, meine Worte ins Lächerliche zu ziehen: Als hätte jetzt diese Grill-Party irgendeine Bedeutung! Oder wer wann über was gesprochen hat! Dabei ist genau dies wie das ganze System funktionier. Ein ganz grosser Haufen ganz kleiner Kleinigkeiten. Niemand hat etwas wirklich Schlimmes getan. Der Rest, sind Hirngespänste. Genau, Weischwas, genau... Weisst du was? Auf diese Weise hast du dir selbst eine ganze Reihe an Hirngespenste vorbestellt, die dich zwischen jetzt und deinem Abschied von diesem Planeten ziemlich zu schaffen machen könnten! Und niemand wird irgendwas gemacht haben. Ausser dir!

Dr. Gassejoe
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Er ist der Arzt der K&As Zürich. Und ist der Arzt, den ich so gelobt habe weil er mich "von der Strasse" kratzte und in die Villa am Hönggerberg brachte. Über ihn werde ich noch so einiges zu schreiben haben. Zuerst eine Anekdote, die exemplarisch dafür steht, was die Absichten von Dr. Gassejoe, Frau Bracchi und anderer sind: Mich als Drogensüchtiger archivieren zu können. Ich treffe also Dr. Gassejoe und er fragt was ich so mache. Als Standard-Antwort sage ich "Schlechten Eindruck". Dazu meint er "Diesen Eindruck habe ich auch" und damit hat sich das Gespräch erledigt. Offensichtlich dabei? Vorbei sind die Zeiten, an denen mir Dr. Gassejoe Witze über Patienten erzählt, die im Spital-Rock mit einem "Christbaum" voller Infusionen und Geräte auf das Tram wollen um an Drogen zu gelangen. Für immer vorbei, diese "guten, alten Zeiten". Guter Witz, für einen Arzt der einen Patienten anstatt in die Apotheke zum Schlachthof schickt! Guter Witz, ich lach mich tod.

Dr. Magento
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Der Arzt in der Villa am Hönggerberg.

Dr. Verstecko
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Er ist der Chef von Dr. Magento und ein Geist, zumindest für mich. Auch ihn habe ich damals ehrlich gelobt, in meinem Blog. Ich fand seine Arbeit gut weil (man muss sich das vorstellen!) ich sie nachvollziehen konnte!!! Im Gegensatz als bei Doktor Y und Doktor No, wusste ich im Voraus was Dr. Verstecko machen würde. Somit fand ich seine Arbeit gut, auch wenn er mich mit Benzos vollstopfte oder auf die Strasse setzte! Eigentlich sagt dies schon ziemlich alles darüber aus, in welcher Verfassung ich mich nach der Harten Klinik überhaupt befand! Inzwischen sehe ich die Dinge "ein klein wenig" anders und habe da die eine oder andere Meinung über Dr. Verstecko, Dr. Magento und Dr. Gassejoe... Dazu aber später mehr.

Singlemalt
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Angestellt beim Sozialamt Zürich: Sie hat mich zu Boden gebracht und zertrampelt. Gerade hat sie sich selbst übertroffen, als sie vor 2 Tage eine Lüge ausrichten liess, von einem Arbeitskollegen der nichts dafür konnte und von nichts Bescheid wusste. Frau Singlemalt hat so einiges geboten, was ich hier erzählen möchte und werde.

Frau Bracchi
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Heisst wirklich so und arbeitet für die Helsana. Haben schon über sie geschrieben, doch längst noch nicht alles.

IV, Arbeitslosenkasse, Tagesklinik
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Eine ganze Reihe von Menschen in verschiedenen Ämter und Institutionen hatten mit mir zu tun und taten vieles (oder eben nichts) um mich fertig zu machen. Über die verschiedenen Ereignisse werde ich auch schreiben, sofern sie überhaupt noch in meinem Gedächtnis abrufbar sind.

Sonstige
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Eine ganze Reihe von Menschen die ich schon erwähnt habe, wie zum Beispiel Lady Marmelade, Direktor Gebrochene Lanze (Lanzy), Doktor Y usw. Diese sind in der Harten Klinik die Hauptfiguren gewesen, danach aber nur noch im Hintergrund aktiv. Dies ist auch schon das erste grosse Problem das ich hatte: Als man nach der Harten Klinik auf mich zukam, bin ich zuerst einfach nicht auf die Idee gekommen, dass schlechte Absichten (und somit die Absichten der Wahnärzte) bei den Menschen die sich nun aufmachten um mir meine Post-Therapeutische Zeit zu versüssen, noch eine Rolle spielen könnten.


Fazit
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Im Gedächtnis abrufbar: Genau dies ist am Ende auch der Zweck all dieser Übungen gewesen. Auf der einen Seite wollte man mich verwirren und eine dermassen grosse Anzahl von Vorfällen generieren, die es mir schon rein von der Kraft und der Konzentration her unmöglich machen sollten, eine klare Sicht der Dinge zu bewahren. Ausserdem, spielte man mit der Tatsache, dass ich mich gar nicht trauen würde, derart viele Menschen anzukreiden und ihnen etwas vorwerfen zu wollen. Man ging bestimmt davon aus, dass ich meiner eigenen Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit nicht mehr trauen würde, dass ich sie als Paranoid verstehen würde. Und natürlich ist man davon ausgegangen (ich denke die Erfahrung hat's auch bei vielen anderen Fälle bestens gezeigt): Die Idee, als Paranoiker dazustehen, sollte die reinste Panik in mir auslösen. Man ist sich sicher gewesen, die Angst als paranoides Stück dastehen zu können würde einen Jeden vollkommen paralysieren: Die meisten haben es wahrscheinlich vorgezogen, die Klappe zu halten und als geschlagene Hunde in einer Ecke ihre Wunden zu lecken. Dies habe ich auch getan, mein Gott habe ich meine Wunden geleckt! Doch hin und wieder bin ich zum Glück auch dazu gekommen, ein wenig den Mond anzubellen. Und das ist die beste Therapie gewesen. Das, und der Gedanke daran, jemanden da draussen zu haben den ich liebe und der mich versteht, mein Leiden nachvollziehen und teilen kann. Der Gedanke an einem lieben Menschen, die Erinnerung an die Junge Dame und den wenigen Stunden die wir zusammen verbringen durften, sollte mein Todesurteil sein, ist aber zum Todesurteil der Henker geworden.

Übrigens...

Junge Dame
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Soll ich noch etwas dazu sagen? Sie ist meine Heldin. Sie hat das Spiel der Wahnärzte mitgespielt, sogar als es pervers und sadistisch wurde. Als es dann zu spät war um umkehren zu können, hat sie weitergemacht, hat es durchgezogen. Dies ist eine menschliche Grösse, von der manch ein Wahnarzt nur träumen kann. Diese junge Frau, knapp über 20, hat euch allen eine der besten Lektionen überhaupt in Sachen Psychiatrie erteilt. Also: Hut ab und lernt wie man es macht! Mit Liebe, Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Entschlossenheit durch Zuversicht. Nicht mit Grössenwahn, Arroganz, Gewalt und Entschlossenheit durch Wahn. Lernt wie man von einer 20jährigen sowas von einer Lektion verpasst bekommt! Lernt und leckt euch die Wunden, ihr Hunde!
 
 

July 29, 2010

der nächste Chef

 
Unter meinen vielen Mitteilungen an die Junge Dame, war ziemlich unmittelbar nach Austritt aus der Harten Klinik auch diese:
Gott bewahre, dass ich völlig verbittert und misstrauisch aus dieser ganzen Sache kommen werde. Gott bewahre, dass am Schluss noch Verbitterung übrig bleiben wird!
Ich musste zuerst einmal lernen, schlechte Absichten von Seiten der Ärzte der Harten Klinik als eine überhaupt real mögliche Option in Betracht zu ziehen. Mit dem Akzeptieren dieser Möglichkeit war mir aber auch sofort völlig klar, wie diese vielleicht auch tiefe Spuren hinterlassen würde. Tiefe, dunkle Furchen auf dem Feld meiner Seele. Das Feld rund um mein (mein und unser) Freedom Tree.

Ich habe wirklich mein Möglichstes getan, um diese Furchen zu vermeiden. Ich habe das getan, was in meiner Macht stand: Ich habe wieder und wieder die Hand ausgestreckt und sie den Verantwortlichen in der Klinik geboten. Nicht ein Mal, nicht zwei Mal, mindestens ein halbes Dutzend sind meine Angebote gewesen. Zu dieser Zeit wäre ich wirklich noch bereit gewesen, zu verzeihen und zu vergessen.

Es sollte aber nicht sein.

Schon vor geraumer Zeit hatte ich das Thema "Folgeschäden" mit meiner Mutter angesprochen. Schon vor langer Zeit stellte ich mir die Frage, ob ich jemals überhaupt wieder in der Lage sein würde, eine ganz normale "Angestellten/Vorgesetzen" Situation, wie sie bei jedem Job vorkommt, stand zu halten. Ich fragte ob ich je wieder in der Lage sein würde, Autorität zu akzeptieren.

Mir ist bewusst, dass ich schon immer eine nicht einfache Einstellung zu Autorität hatte. Es benötigte schon immer ganz bestimmter Voraussetzungen, um mir das Akzeptieren von Autorität zu ermöglichen. Meine Arbeitslaufbahn bestätigt aber unmissverständlich, wie es mir dennoch immer wieder erfolgreich gelang, mit Autorität umzugehen. Meine Arbeitszeugnisse sprechen da eine klare Sprache. Aber nicht nur das Papier auf dem die Zeugnisse geschrieben wurden attestiert mir die Fähigkeit, mit einen Chef umgehen zu können: Auch die Chefs selbst würden dies bestätigen.

Fakt ist aber auch, dass ich zuerst rausfinden musste, was ich benötigte um mit der Rolle des Angestellten umgehen zu können. Die Suche nach diesen Voraussetzungen ist langwierig gewesen, begann sie doch schon in der 4. Klasse auch dessen hässliche Seiten zu zeigen. Darüber werde ich aber ein ander Mal erzählen. Wie auch immer: Die Suche hat vieler Jahre und vieler Versuche benötigt, bracht schlussendlich aber zum Erfolg.

Nun, nach der mir von der Harten Klinik bescherten "Therapie", frage ich mich ob ich jemals wieder überhaupt in der Lage sein werde, normal zu arbeiten und ganz einfach den Anweisungen eines Chefs zu folgen.

Ich habe einmal geschrieben, dass ich den Ärzten dort vollens vertraute, dass ich mit dem offenem Herz auf der Handfläche in der Klinik herumspazierte. Ich habe mal geschrieben wie dankbar ich damals war, diese Erfahrung einer Offenbarung überhaupt noch in meinem Leben machen zu dürfen. Ich habe geschrieben, wie sehr ich auch meine Dankbarkeit gegenüber den Pflegern und den Ärzten zum Ausdruck brachte.

Jetzt muss man sich einmal vorstellen.
Jemand lauft mit einem Schmetterling auf der Hand herum und ist zu Tränen gerührt, weil dieser Schmetterling das Resultat einer Jahrzehnten langen Arbeit ist. Arbeit die enorm viel abverlangt hat in Sachen Zeit und Energie und mangelnder Verfügbarkeit für die eigenen Lieben. Arbeit die aber vor allem Leidenschaft ist. Nun, nach solch langer Zeit, hat die Zucht das ersehnte Ziel, das auch schon angezweifelte und als Utopie bezeichnete Resultat gebracht: Einen Schmetterling wie es ihn niemals zuvor gegeben hat. Genau den Vorstellungen und Wünsche des Züchters entsprechend.

Er zeigt sein Werk mit der Freude eines Kindes. Die Kollegen staunen, gratulieren, freuen sich, lachen und feiern. Auch der Chef kommt. Er gratuliert, möchte den Schmetterling genauer in seiner ganzen Pracht betrachten, nimmt ihn also in die eigene Hand, lacht, sagt es sei das Schönste was er je gesehen hätte und fügt hinzu, er könne vor einer solchen Leistung nur noch den Hut ziehen und in die Hände klatschen. Und dies macht auch. Mit einem breiten Grinsen sieht er seinen Untergebenen an, gratuliert ihm wiederholt, immer weiter klatschend.

Nun frage ich: Wird dieser Mensch jemals wieder einen Chef haben können, ohne ihm beim ersten kleinen Problem eine Faust ins Gebiss zu verpassen? Oder vielleicht die Hände amputieren? Ich weiss es nicht...


Doch ich weiss, was mir einmal ein Sozialarbeiter zu diesem Thema sagte, eben kurz nach Austritt aus der Harten Klinik
Man hat die verarscht? Ja... Gut... Was soll's, Mann? Ich meine: Das Leben geht weiter! Das Leben muss weiter gehen! Und ausserdem: Glaubst du denn wirklich, uns würde man nie verarschen? Glaubst du denn, wir würden nie verarscht?

Ich glaube es selbst kaum, wenn ich diesen Typen zitiere und seine Worte niederschreibe. Ich kann fast nicht glauben, was er mir da sagte... Um dies zu erklären gibt es in meinen Augen 2 Optionen
  • Man hat ihm ein ziemlich falsches Bild davon gemacht, was vorgefallen ist.

    Würde aber auch heissen:

    Ja! Man hat dich verarscht! Man verarscht dich. Gerade jetzt wieder. In etwa so wie man mich verarscht hat. Und genau so wie ich, wirst du erst einiges später realisieren, dass man dich doch tatsächlich verarscht hat. Schon wieder einmal. Skrupellos und eiskalt hat man dich verarscht!

    Kleine Frage.
    Wie fühlt man sich, in solch einer
    "ach so alltäglichen Lage"?
  •  
  • Der Typ ist DER optimale Kandidat um Oberarzt in der Harten Klinik zu werden.
 

schöne neue Zeit

 
Die medizinische Forschung hat so enorme Fortschritte gemacht, dass es überhaupt keine gesunden Menschen mehr gibt.
Aldous Huxley

Und natürlich machte auch die Psychiatrie sehr grosse Fortschritte. Und das Arbeitstempo stieg. Alternative Medizin und Positive Psychologie könnten Teil der Antwort auf die neuen Umstände sein, werden aber noch viel zu oft verhindert und deklassiert.

Staat und Kirchen können nur zwei Möglichkeiten dulden: Ehe oder Prostitution, und in den meisten Fällen ist ihnen die Liebe außerhalb dieser beiden Gehege verdächtig.
Heinrich Böll

Seit Böll hat sich so einiges geändert, auch zum Besseren, in Sachen Sexualität und Toleranz. Bei der Liebe sind wir aber noch genau so engstirnig wie damals, wenn nicht noch mehr. Denn heute erleben wir Tag täglich grosse Romanzen ab Bildschirm und MP3-Player, doch Liebe ausserhalb einer Beziehung, gegenüber z.B. psychisch Kranken die man in einem sozialen Netz integriert hält, gegenüber älteren Menschen, allgemein ausserhalb von Verwandschaft oder Verein usw, Nächstenliebe gegenüber Menschen die man auch ignorieren könnte, all das kennen unsere jungen Leute so gut wie nicht mehr. Diese Entwicklung wird sich eines Tages rächen und unangenehme Folgen haben.