September 27, 2014

the world is run by clowns

 
Wie erinnern uns an Doktor Y, und wie er an mir vorbei gelaufen war mit den Händen in der Luft, über seinen Kopf: Mit dieser Geste wollte er mich nachahmen, wie ich hin und wieder getanzt habe, wenn ich von der Mucke schwer begeistert war. Diese Geste machte Doktor Y aber nach dem er mich aus der Psychotherapie-Station geschmissen hatte, mit einem erfundenem Verdacht auf psychotischer Episode, es war seine Art dem Triumph auszukosten, den er gerade dachte errungen zu haben. Es war seine Art Freude zu zeigen und praktischerweise und (natürlich völlig zufällig) ergab sich nebenbei der schöne Nebeneffekt, dass ich nochmals verspottet werden konnte, so richtig schön erniedrigt, ohne sich dabei im Geringsten exponieren zu müssen. Ja, er konnte mir so richtig eins auswischen, ja sogar herausfordern: Eine solche Chance konnte er sich natürlich nicht entgehen lassen!!!

Ich sagte schon mal zuvor: Zur Zeit halte ich die Hände unterhalb meinem Kopf, denn ich warte auf den Tag, in dem ich sie brauchen werde um Ärsche aufzureissen! Doch dies ist eine weitere Geschichte, die noch bevor steht...



In der Zwischenzeit ein Song für unsere liebe Ärzteschaft des Wahns. Ich hoffe, die Lyrics erübrigen sich, selbst für die mit einem besonders langsamen Hirnlein, selbst für die Empfänger der Botschaft.

Fuck U  ==  Placebo





Und noch ein Song der gerade so traurig gut zu passen scheint, nicht nur zu unserem Wahndoktor Y und seinem Triumpf, sondern auch zu dieser Welt und wie sie gerade komplett aus den Fugen zu geraten droht, und was junge Menschen davon halten und damit anzufangen wissen, wenn wir uns nicht schwer bemühen, ihnen von einem möglichen Sinn hinter all diesem Wahnsinn glaubhaft zu erzählen und ihnen ein Leben mit einem Sinn vorleben, einem Sinn der möglichst über

a) Geld zusammenraffen beim Kampf für die Karriere
und
b) Geld ausgeben beim Shopping
hinausgehen sollte. Denn...

Denn wenn wir es nicht machen, macht es die ISIS und holt sich die Jugendlichen, wie (wer erinnert sich?) dieser Rattenfänger mit der Flöte. Wie viele Minderjährige aus der Schweiz und den Nachbarnländern kämpfen gerade für die IS? Ein Dutzend? Mehr? Sogar Mädchen haben sich auf den Weg gemacht und kümmern sich dort um die Verpflegung der Kämpfer! Junge Dinger mit Schminkkoffer, iPhone, "Die Ärzte" auf dem iPod und Träume von der grossen Liebe, die das Leben eines Tages bringen wird... Was im Irak und Syrien auf diese junge Leute wartet, scheint für sie gerade mehr Sinn zu machen, als ihr Leben hier im Wohlstand Europas! Unsere Gesellschaft hat dringenden Handlungsbedarf — und ich meine nicht das TTIP Freihandels-Abkommen zwischen der EU und den USA! Ich meine, wir sollten zumindest in der Lage sein, unsere Jugend vor dem grössten Horror, der gerade auf Erden herrscht, zu bewahren — wir sollten in der Lage sein, ihnen diesen Horror nicht als die bessere und sinnvollere Alternative verkaufen zu lassen...



Trigger Happy Hands  ==  Placebo

The world is run by clowns with trigger happy hands
But the world is filled with people that we don’t understand
So we’re living in a culture made of death and fear
Doesn’t seem the human race will make it through the year

The world is run by lying, drunk, balding, know it alls
But my mother told me pride always come before a fall
Now remember in the day when we were young and green?
We were filled with hope; we were squeaky clean

"The world’s an unforgiving place", we've all heard this before
But we want hospitals and equal rights instead of bloody wars
We want the right to blow our minds, as crazy as it seems
The only place you’re truly free is cosy in your dreams
I said the only place you’re truly free is cosy in your dreams

put your hands in the air, and wave them like you give a fuck
Put your hands in the air, and wave them like you give a fuck
Put your hands in the air, and wave them like you give a fuck
put your hands in the air, and wave them like you give a fuck

The world is run by clowns with trigger happy hands
But the world is filled with people that we don’t understand
So we’re living in a culture made of death and fear
Doesn’t seem the human race will make it through the year

Put your hands in the air, and wave them like you give a fuck
Put your hands in the air, and wave them like you give a fuck
Put your hands in the air, and wave them like you give a fuck
Put your hands in the air, and wave them like you give a fuck

put your hands in the air, and wave them like you give a fuck
put your hands in the air, and wave them like you give a fuck
put your hands in the air, and wave them like you give a fuck
put your hands in the air, and wave them like you give a fuck



 
 

May 30, 2014

'cauz I could be happy

 

"I don't wanna be a part of it!
You should rather ask me something about Mickey Mouse!"

Ich verneige mich vor diesen Aussagen...


Schon seit Jahren mag ich Pharrell Williams, was er tut und sagt und, ganz besonders wie er es tut und sagt. Sein Musikstil ist nicht immer mein Favorit, aber immer wieder, und er hat mich schon früher schwer beeindruckt — wie er in der Hip Hop und Gangsta Rap Szene, mit den dort erfolgreichsten und meistverkaufenden Persönlichkeiten zusammen gearbeitet hat und immer für einen rechten Qualitätssprung sorgen konnte. Gerade wegen seiner ganz eigenen Note ist es schon lange ein sehr gefragter Mann in der höchsten Liga kommerzieller Musikproduktionen in den Staaten, dort wo es noch um eine ganze Menge Geld geht. Meistens kamen dabei Songs heraus, die mir besser gefielen als was der ihn einladenden Künstler sonst machte. Bestes Beispiel dafür ist der Song "Drop It Like It's Hot" von Snoop Dogg: Ein Quantensprung und der Mut zu noch nicht Etabliertem sind sein Verdienst und somit der eigentliche Schlüssel zu diesem Erfolg. Doch obwohl ich Pharrell Williams stets bewunderte für seinen zur jetzigen Zeit so wertvollen Beitrag zum leider fast schon alternativlosen Kommerz-Schwachsinn-Eintopf, wuchs meine Meinung von ihm bis zur Begeisterung als ich seine Reaktion auf Fragen nach Britney Spears bei einem Interview gesehen hatte: Zu dieser Zeit ging es Spears gerade sehr sehr schlecht, sie hatte sich eine neue Frisur zugelegt und der ganze Planet hat die Aufnahmen durch das Schaufenster des Coiffeur-Laden serviert bekommen — sie wurde gerade bei einem weltweiten medialen Opfer-Ritual geschlachtet und ihr Leiden fand Raum für die Verbreitung bis hin in einigen Tageschaus. Ja, ich wage zu behaupten, dass obwohl die Beziehung mit den Medien für Lady D. ein abruptes und tragisches Ende nahm, meine ich sei der Umgang mit Britney Spears noch um ein Vielfaches zugelloser und umbarherziger gewesen: Es gab eine Zeit, da gehörte das Bashing von Spears schon quasi zum guten Ton und zur Selbstverständlichkeit, in den Staaten. Und zu eben dieser Zeit weigerte sich Pharrell Williams in den allgemeinen Chor einzustimmen und sagte dies offen, nicht ohne einen Unterton von Kritik an alle die sich an dem Thema ergötzen konnten. Ich weiss noch wie ich meinem Sohn von diesem Pharrell Williams erzählte und wie er, selbst in dieser unwirklichen Schein-Welt der Mainstream Musik-Industrie ein aufrichtiger und korrekter Mensch geblieben sei, der nicht nur an sich, seinem Ego und seinem Portemonnaie denken würde... Ich erzählte ihm von eben diesem Interview, so sehr hatte er mich erfreut.


Hier besagter Teil vom Interview mit Pharrell Williams.



Inwischen hat Spears schon wieder einen misslungenen und danach einen erfolgreichen Comeback hinter sich. Nicht nur: während sie sich Britney Bitch nannte und ihr Video mit Will.I.Am rauf und runter am TV gezeigt wurde, überhohlte Spears alle anderen Superstars wie Madonna und Lady Gaga und wurde nochmals zur best verdienenden Musikerinn der Welt! Ich gönne ihr jeden einzelnen Cent den sie bekommen hat, vor den offenen Mäuler all ihrer Neider und Beschimpfer.


Nun brachte Pharrell Williams diesen Song über Happiness raus und die halbe Welt klatsche, sang und tanzte mit ihm. Zu beginn konnte ich den Song nicht hören, denn es frustrierte mich nur noch mehr, einen "Room without a roof" zu denken, bin ich doch in so einem Raum gewesen und bin ich doch auch selbst solch ein Raum gewesen — damals, in der Harten Klinik! Happiness: Ich hatte es gefunden, nicht nur flüchtig während einer Party oder einen Ausflug in der Natur oder in neue Länder, nein, ich hatte Happiness in mir gefunden und wusste nun was es für mich bedeutet und wie es halten ist. Ich hatte es völlig unerwartet geschenkt bekommen und aber noch die Fähigkeit, es zu erkennen und zu wertschätzen, es extatisch zu zelebrieren und es später — nach meiner ganz persönlichen Willkommens-Party für meine Happiness — es mit meinen Mitmenschen und ganz besonders mit mienen Geliebten teilen zu wollen. Ja, ich hätte damals der Aufforderung von Pharrell Williams folgen können und mit einem grossen Lächeln auf der Visage hätte ich mitgeklatscht, getanzt und gesungen. Denn ich wusste von Happiness. Ich wusste, dass es gepflegt und gehegt werden muss und nicht einfach gegeben ist. Ich wusste aber auch, dass es mein Leben erst wirklich lebenswert machte und das war, wonach ich schon imemr gesucht hatte. Ich kannte dieses Gefühl, die ganze Welt und alle Wesen darauf im eigenen Herz schliessen zu können und sich dieses unmittelbar danach in einen Vulkan verwandelt, was Liebe, Freude und Frieden auf die Welt und alle Wesen strömen lässt...



Happy  ==  Pharrell Williams




Bis heute kann ich nicht diesen Song mit offenem Herzen hören und mich ihm hingeben. Leider ist dies noch immer zu schmerzhaft und aufwühlend. Eigentlich könnte ich weinen, wenn ich mich darauf einlassen würde, was ich zur Zeit tunlichst vermeide weil es mich auch nicht weiterbringt oder heilt — dies ist aber schon wieder eine andere Geschichte. Dennoch freue ich mich aber von ganzem Herzen für jeden einzelnen Menschen, der das Glück hat dieses Gefühl zu kennen und es im Song wiedererkennt, der es mit aller Welt teilen möchte und es wiederum allen Wesen von Herzen wünscht! Clap along if you know...

 
 

April 25, 2014

bitte erlöse mich

 

Aus dem Buch für Einträge und Bitten der Besucher einer bekannten Kirche in Zürich

[...] Bitte erlöse mich von meinen ständigen Depressionen und den wiederholten Klinik-Aufenthalte. Bitte lass mich mein gewalttätiges Elternhaus überwinden. Dazu schenke mir doch bitte einen mir wohlgesinnten Therapeuten und nicht einer der nur saftige Rechnungen stellt. [...]

April 2014 - Unterschrieben (von weiblicher Person)


Selbst in einer Stadt mit einem solchen therapeutischen Angebot wie es in Zürich der Fall ist, ist eine junge Frau noch immer auf einen guten Therapeuten angewiesen und sieht sich bemüssigt, den lieben Herrgott deswegen zu bemühen, musste sich doch offensichtlich schon einige negative Erfahrungen machen.

Eine schlechte ambulante Versorgung und ein gut geöltes psychiatrisches System, von unzähligen jungen Erwachsenen regelmässig besucht, lassen vielleicht den Zustand unseres Gesundheitssystems als tadellos erscheinen, obwohl es in Tat und Wahrheit eine unglaublich hohe Anzahl an unnötigen, ja sogar schädlichen Leerläufe produziert, auf Kosten der jungen Patienten was die Gesundheit angeht (sie verlieren nach mehrfachen Anläufe jegliche Perspektive und Zuversicht auf ein selbstbestimmtes Leben) und auf Kosten der Allgemeinheit was die Finanzen angeht.

Und so kommt es, dass junge Erwachsene in der Schweiz, ja sogar in Zürich — eine der Städte mit der besten Lebensqualität auf der ganzen grossen Welt — den lieben Gott um einen guten Therapeuten bitten müssen. Mögen die Wünsche der jungen Frau, die diese Zeilen geschrieben hat, alle in Erfüllung gehen. Möge sie von weiteren Klinik-Einweisungen bewahrt bleiben, möge sie einem wohlwollenden Therapeuten begegnen, der ihr dabei hilft ihre emotionalen Problemen zu meistern anstatt nur saftige Rechnungen im Namen irgend eines Saft-Laden zu stellen. Möge sie etwas Liebe finden, anstatt immer nur Probleme und Misserfolge.


P.S. Ich nannte die Harte Klinik immer wieder scherzhaft einen Saft-Laden, ohne genau zu wissen woher mir das Bild dazu gekommen war. Heute fand ich es in einer Zürcher Kirche heraus: Der Name Saft-Laden stammt im Fall der Harten Klinik von den saftigen Rechnungen die sie dort stellen, zu oft für rein gar nichts...