October 16, 2010

alternativen (un)erwünscht

 
In der Schweiz geschieht gerade etwas bedauernswertes. Das Volk hat mit klarer Mehrheit dafür gestimmt, dass die Alternativ-Medizin Teil der Grund-Gesundheitsversorgung ist, also von der Grund-Krankenkasse bezahlt. Nun möchte man die Homöopathie ausschliessen. Ich habe gerade die Sendung "Club" gesehen, und mich tierisch über die Argumente der Gegner von Alternativ-Methoden aufgeregt.

1) Für die Wirkung von Homöopathie gibt es keine Wissenschaftliche Beweise. Man bemängelt das Fehlen von Studien, ins Besondere von Doppel-Blind-Studien (wobei es Kontrollgruppen gibt, die Placebo erhalten). Nun, eine Studie in der der Patient nicht weiss ob er mit Kortison oder Globuli behandelt wird ist schon einmal unmöglich, denn das Eine bekommt man bei einem Arzt mit einer Art von Betreuung, das Andere bei einem anderen Arzt mit einem ganz anderen Typ von Betreuung. Der Placebo-Effekt, der so sehr verschrien wird von den Menschen die Sagen Alternativ-Methoden seien was auch immer: Nun, ein Placebo-Effekt mag es durchaus geben, ist vielleicht sogar wahrscheinlich. Dieser spricht aber nicht gegen die Methode sondern für sie. Wenn der Placebo-Effekt in der Kontrollgruppe der Alternativ-Methoden viel bessere Resultate bringt als in der Gruppe der konventionellen Medizin, dann würde das heissen, dass Ärzte der Alternativ-Methoden etwas bieten können, dass andere nicht können. Und weshalb sollte dieses Etwas nicht von der Allgemeinheit getragen werden, wenn es etwas bringt? Ausserdem, ganz wichtig, dieser Placebo-Effekt hätte keine Folge-Kosten, was man bei den konventionellen Methoden mit ihren Nebenwirkungen wirklich nicht immer behaupten kann. Insofern ist diese Art der Medizin wahrscheinlich um einiges Billiger. Ausserdem: Das Fehlen wissenschaftlicher Studien: Es würde mich keineswegs wundern, wenn sie einzig darauf zu führen ist, dass keine Mitteln dafür verfügbar sind. Auf der anderen Seite, wenn es wirklich so sicher ist, dass dies Humbug ist, weshalb werden diese Studien nicht von den Gegnern finanziert, die das "Wissenschaftliche" ja verkörpern?

2) Die Methoden würden als Ergänzung zu konventionellen Mitteln benützt, anstatt als Ersatz. Ich behaupte, dafür ist hauptsächlich die Angstmache schuld. Wie viele Patienten müssen ihr schlechte Gewissen zuerst einmal überwinden, wenn sie sich dafür entscheiden zu alternativen Methoden zu greifen bevor die allerletzte Möglichkeit der Schulmedizin ausprobiert wurde? Wie vielen Eltern wird die Krankheit ihres Kindes vorgeworfen, wenn sie nicht der Schulmedizin folgen?

3) Speziell gegen die Homöopathie wird letztens immer wieder das Thema der Verdünnung und der Vergleich des Tropfen im Ozean gebracht: Ich fordere die Wissenschaftler heraus, ein Gerät zu bauen dass am gleichen Standpunkt eines Haifischs im Bruchteil einer Sekunde einige Tropfen Blut im offenen Ozean bemerken können, und dann auch noch dessen Richtung festlegen kann. Wer weiss das schon, vielleicht auch noch die Entfernung und die Art des Tieres... Möglicherweise fühlt der Hai sogar die elektrische Impulse der Herzpumpe seiner Opfer. Ausserdem, haben diese Geruchsmoleküle durchaus eine Wirkung beim Haifisch, schüttet dieser doch ziemlich sicher ein ganzes Feuerwerk an Hormonen aus. Wie auch immer: Nicht zu wissen wie eine Sache funktioniert, heisst noch lange nicht dass sie nicht funktioniert. Denn dies ist der genau identische Gedankengang den man ging, als man die Erde unmöglich für eine Kugel betrachten wollte.

4) Steigende Kosten ist auch ein Thema. Ich habe schon vor einiger Zeit eine Reportage gesehen, die mich ziemlich beeindruckte, über eine Handauflegerin. Ein Professor der Schulmedizin tat sich ans Werk, nicht die (für die Wissenschaft noch für sehr lange Zeit unverständliche) Art zu wirken sondern die Tatsache einer Wirkung (also die Effektivität) wissenschaftlich zu dokumentieren. Der Professor hatte keine Ausbildung in irgend einer Alternativ-Methode, noch interessierte er sich persönlich dafür. Bis an dem Tag an dem er von eigenen Patienten mitbekam, denen er und seine Kollegen nicht mehr weiterhelfen konnten und die bei der Frau einen Erfolg feiern konnten. Dies beeindruckte ihn so sehr, dass er fand diese Methode müsse mehr Würdigung finden können. Er wollte also dazu beitragen, zumindest die Tatsache dass eine reale Wirkung existiert, wissenschaftlich zu dokumentieren, um jegliche Verneinung ein für alle Mal aus der Welt schaffen zu können. Es ist die Regel, dass Patienten erst ganz am Schluss der Kette möglicher schulmedizinischer Methoden, wenn sie so zu sagen auf sich allein gestellt sind, zur Alternativ-Medizin finden. Und angesichts der nicht zu leugnenden Resultate, fand selbst der Professor dies nicht mehr in Ordnung. Dies geschieht in der Schweiz, einerseits an einer Uni-Klinik und andererseits irgendwo auf dem Land, inmitten der Landwirtschaft. Jeder Schritt, der in der Schulmedizin ausgelassen worden wäre bevor sich die Patienten an die Handauflegerin gewandt hätten, wären ziemlich viel gespartes Geld gewesen. Es stellt sich also die Frage, wenn die Ärzte und Krankenkasse im Namen des "Wohls" der Allgemeinheit über steigende Kosten klagen, nicht viel mehr damit die Aufteilung des Kuchens meinen.


Ich bin keinesfalls gegen Schulmedizin. Ohne sie, ohne die Krebsforschung und die Chemotherapie, wäre mein Sohn heute nicht mehr. Ich habe nicht damit begonnen, den Lebertumor mit Globuli entfernen zu wollen und ich habe keine Sekunde lang an die Kompetenz der Schulmedizin gezweifelt, an der Tatsache dass sie unerlässlich und ein Segen ist. Ich bin aber der Meinung, dass sie nicht die Lösung für jedes gesundheitliche Problem sein kann. Es meint auch niemand, denke ich, dass Psychiatrie die einzige mögliche Lösung für jegliche psychische Störung ist, oder? Weshalb muss es sich dann anders verhalten bei anderen Beschwerden des Menschen? Wo wir doch eine derart komplexe und noch zu grossen Teilen unverstandene Maschine sind. Eine Maschine Gottes.

Erst in den Achtzigern Jahre merkte man, dass Antibiotika nicht das Ende der Bakterien bedeutete. Bis dann, war man sich in der Ärzte-Welt eigentlich vollkommen einig, Probleme mit Infektionen gehören der Vergangenheit an, die Bakterien seien gebändigt und liessen sich wann immer erwünscht einfach weg wischen. Die Natur lernte uns einmal mehr etwas Demut. Diese sollten Menschen allgemein auch dem gegenüber zeigen, was sie nicht nachvollziehen können. Denn, nicht alles was wir uns nicht Eigen machen können, muss schlecht sein. Es ist nur anders.


Autor unbekannt