25 August 2011

Minoritäten und Feinde

 
In Norwegen geht eine Bombe hoch und es geht die Nachricht um die Welt, Islamisten seien die mutmassliche Täter. Später, als die Tragödie noch viel schlimmer wird, stellt sich heraus, dass ausgerechnet ein Mann der Täter sein soll, der Europa von Islamisten befreien möchte. Der Hasser der mutmasslichen Täter ist der wahre Täter.

Die USA, UK und ihre Verbündeten sind in einen Krieg gezogen, auf Grund einer Lüge. Die Lüge kam sogar ans Tageslicht, doch niemand musste je dafür Verantwortung übernehmen. Seitdem befinden sich die USA mit dem Patriot-Act faktisch im Ausnahme-Zustand. Wie viele Menschen-Leben diese Lüge, zusammen mit all den anderen zuvor und danach gekostet haben mag, weiss keiner genau. Noch viel weniger wissen wir, wie viele Leben dadurch zerstört ihrer Träume beraubt wurden.

Ich sah gerade den Film "Death of a President" und es ist erschütternd zu realisieren, wie nah an der Wahrheit diese Fiktion sein könnte. In der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft. Ist einmal ein Feindbild geschaffen, dann kann dieser für ziemlich alles verantwortlich gemacht werden, was schief läuft. Und Feindbilder funktionieren leider sowohl im grossen, internationalen Kontext, wie auch auf nationaler Ebene, für die kleinen Probleme des Alltags.

Und wer sind in der Schweiz die absoluten Meister, wenn es darum geht, Feindbilder zu schaffen? Ich habe mich in den letzten Monate immer wieder gefragt, weshalb ich mich so aufrege, ich habe versucht meine Einstellung gegenüber bestimmte politische Kräfte im Lande zu hinterfragen. Ich sagte mir, ich dürfe nicht selbst beginnen ein Feindbild zu schaffen, in dem ich von anderen behaupte sie würden dies tun. Doch dann sah ich einen SonnTalk auf TeleZüri, und auf einem Schlag wurde mir wieder sonnenklar, weshalb ich derart auf die Palme gebracht werde, immer und immer wieder. Es ist diese unglaubliche Arroganz einiger dieser Menschen, die Arroganz und Selbst-Gefälligkeit mit der sie andere beschuldigen, anprangern, schlecht machen, erniedrigen. Dieser absolute Mangel an Objektivität, teils sogar an Wahrheit...

Da wird also einmal der Direktor der National-Bank durch den Kakao gezogen, in aller Öffentlichkeit, ohne Scham und ohne dazu berechtigt zu sein behauptet man, er habe "60 Milliarden Volks-Vermögen" vernichtet. Der abgewählte Bundes-Staatsanwalt ist der Teufel in Person, wenn man diesen Herren glauben soll. Es sind nicht die Mafiosi mit den er zu tun hat, nein, er soll der ganz ganz schlimme sein, der das Geld des Steuerzahlers zu seiner ganz privaten Profilierung missbrauche. Wieso erinnert mich dieses Argumentieren um die Justiz irgendwie an Berlusconi? Wie auch immer... Wer ist der Nächste? Wer wird demnächst den Herrschaften missfallen und öffentlich als Zielscheibe freigegeben werden? Den so weit sind wir inzwischen. Passt eine Person den Herren nicht, dann wird sie nach Strich und Faden fertig gemacht. Das ist es, was vielen Menschen in der Schweiz missfällt! Dieser neue Mangel an Korrektheit und Stil.

Es gab eine Zeit, da waren wir in der Schweiz stolz darüber, wie sich unsere Politik von der im Ausland unterschied, wir waren stolz darüber eine Real-Politik zu führen, die sachbezogen blieb, die den politischen Gegner respektierte, ihm mit Respekt und Würde entgegen trat. Doch seit einigen Jahren haben genau die Herren, die sonst alles aus dem Ausland so sehr hassen, die so stolz auf die Schweiz sind, noch viel schlimmere Sitten in unsere Politik eingeführt, als wir sie von unseren Nachbarn kennen. Selbst in Ländern mit einem 2 Parteien-System, wo also die Konfrontation viel dringender notwendig ist als bei uns, selbst dort gelten noch gewisse Regeln des Anstands. Immer wieder blieben Münder im Ausland weit offen, als eine neue Hass-Kampagne gegen diesen oder jenen Feind gestartet wurde. In gewissen Ländern kopiert man dann den Unstil aus der Schweiz, weil er sich so gut "verkaufen" lässt. Und ausgerechnet die Herren, die ein solches Klima schüren, wünschen mit Respekt und Seriosität gehört zu werden.

Aber was war da los, im SonnTalk? Es ging um Dominique Strauss-Kahn, noch lange bevor das Gespräch einer möglichen Freilassung war. Herr Christoph Mörgeli sitzt also in der Sendung und sagt, es habe doch offensichtlich mit dem "sozialistischen Filz" zu tun, dass DSK das Gefühl hatte, er könne mit jeder Frau tun was ihm gerade so passe. Er sei ja schon in Frankreich für seine Übergriffe bekannt gewesen und einzig der "sozialistische Filz" habe ihn so lange geschützt. Als man ihm sagt, es interessiere doch wirklich keinen Schwein ob DSK nun Sozialist oder sonst was sei, das Problem sei doch ganz ein anderes, antwortet Herr Mörgeli
Mich interessiert das aber brennend!


Als sei es nicht genug, macht er weiter
Ja, sogar diese Junge Frau in Frankreich, die erst jetzt nach 6 Jahren Anzeige gegen DSK gemacht hat... Ihre Mutter hatte ihr doch von einer Anzeige abgeraten, und wieso? Wegen dem sozialistischen Filz! Sie ist ja in der sozialistischen Partei in Frankreich und wollte nicht, dass ihre Tochter gegen DSK aussagen würde!

Ich meine: So was geschmackloses habe ich schon lange nicht mehr gehört... Die Mutter soll also nicht versucht haben, ihre Tochter zu schützen? Nein? Sie soll ihre eigenen Interessen und die des DSK geschützt haben?


Doch nun, siehe da, DSK wurde vom obersten Staatsanwalt frei gelassen. Ist nun für Herrn Mörgeli die New Yorker Staatsanwaltschaft in irgend einem Filz verwickelt? Wenn nicht in den sozialistischen, dann vielleicht in den Justiz-Filz? Trifft SF ganz sicher keine Schuld, in dieser Geschichte? Und all die Staats-Angestellten? Schweizer Staats-Angestellte haben sicher auch etwas mit der DSK-Affäre am Hut, oder? Wie? Sie sind auch ein Staats-Angestellter?

Herr Mörgeli, Sie werden immer eine Minorität finden, die sie als Feind brandmarken können, nicht wahr? Doch denken sie daran: Mehrere Minderheiten zusammen ergeben irgendwann eine Mehrheit. Wer bleibt am Schluss noch übrig, der kein böser böser Feind sein soll? Die grösste Partei der Schweiz? Und dann? Wen bekämpfen Sie dann? Ich bin mir aber sicher: Sie finden diese letzte Frage lächerlich. Denn Sie wissen, Sie werden immer welche Minderheiten finden, die sie zum Feind machen können, genau wie Cartman es tut. Und wenn Ihnen einmal diese unsere Schweiz zu trostlos vorkommen sollte, dann können wir uns ja beim Wasserfall treffen und über die schöne alte Zeiten singen, als Politiker zu einer Minorität gehörten, die ihren Mitmenschen mit Würde und Respekt begegneten.




Minoritäten  ==  Cartman


Was ist hier denn nur passiert,
das kann nicht sein, das darfs nicht geben!
Wir hatten hier viel Spaß und Lachten,
wofür lohnts sich noch zu leben,
der Traum ist aus, mein Herz ist schwer,
unser Land ist am Arsch und ich kann nicht mehr.
Ich seh nur Minoritäten (Minoritäten)
in meinem Wasserpark (meinem Wasserpark)
Es war mein Land, mein Traum (mein Traum),
doch sie kamen von überall,
und stahlen uns unsere Träume, Minoritäten,
ich wollt schon gleich zum Grenzschutz hingehn,
doch selbst die Autoritäten, sind Minoritäten,
in meinem Wasserpark.
Ich find keinen Platz, kein Stuhl ist mehr frei,
und die Schlange wird immer länger,
überall sind nur Mexikaner,
und hier im Wasser wird es immer enger.
An der Rutsche stehst du fast eine Stunde lang an,
und die Durchsage ist Spanisch bei der Wasserbahn:
Guarden sus brazos y piernas del paseo!-
Ich versteh kein Wort!

Ich seh hier nur Minoritäten, viel zu viel,
in meinem Wasserpark-oh man so tut doch was.
Wo kommt ihr alle nur her?
Hört zu wir wollen euch hier nicht mehr!
Es ist ne Katastrophe, ich glaub ich pack das nicht.
Wir haben zu lange weg geschaut.
Ich kann nur Singen und Beten: Raus mit den Minoritäten,
aus meinem Wasserpark!
Minoritäten- Mexikaner, Asiaten und Schwarze.
Ich glaub ich sah einen Indianer. ÜBEL!
Oh Gott ich bitte dich, Minoritäten will ich nicht,
in meinem Wasserpark (meinem Wasserpark).






Minority Song  ==  Cartman





Und das alles in meinem Wasserpark! Ist das nicht entsetzlich? Einfach nur schrecklich, was mit meinem Wasserpark geschieht...


Weil aber nicht jeder Ausländer automatisch schlecht sein muss und weil es sich mit den Chinesen so gut geschäften lässt, kann man sich auch was erfreulicheres anhören, wie z.B. den Song "Alte Kameraden", gespielt vom Orchester der Chinesischen Volksbefreiungs-Armee.



Alte Kameraden  ==  Chinese People's Liberation Army's Band





Ist das nicht schön, eine solche Disziplin? Alles läuft nach Plan, so wie es eben sein sollte... Und am Schluss der Vorstellung, gehen sie sogar wieder (worauf die Tibeter leider noch warten)!