04 August 2011

das Verschwinden der Zeit

 
Die Zeit gibt es nicht mehr, kein Streben, keine Erinnerung. Bin ich nun krank oder bin ich ein sehr sehr weiser Mann geworden? Wurde ich erleuchtet oder habe ich einen Knick in der Fichte?

Ein Jahr ist schon wieder vorbei... Und, wenn ich an letzten Winter denke, habe ich keine Erinnerung daran. Zum ersten Mal seit langer langer Zeit, keine Erinnerung die etwas mit meinem Leben zu tun hätte, keine Erfahrung, kein Bild, keine Begegnung, nichts... Es ist, als hätte es den letzten Winter gar nie gegeben. Das Unglaubliche daran ist, ich leide nicht einmal gross drunter. Bin ich etwa erleuchtet? Ich leide nicht drunter, weil ich mir nichts vorstellen kann, woran ich mich gerne erinnern würde.

Was soll ich mir auch wünschen? Ich möchte mir gar nichts mehr wünschen. Konnte ich mich von der Ebene des Handelns lösen, könnte ich sie verlassen und mich über sie erheben oder wurde ich von der Ebene des Handelns überrollt, wurde ich vielleicht vom Handeln anderer schwer getroffen?

Bin ich erleuchtet oder geblendet?



Bild von TheChildHealthSite / TheHungerSite



Ich habe keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen sollte, jetzt wo es so verpfuscht ist... Ich denke, ich wäre ähnlich verwirrt gewesen, wenn ich eines Morgens aufgestanden wäre und eine pinkfarbene H3 Stretch-Limousine wäre plötzlich in meiner Garage gestanden... Was um alles in der Welt hätte ich damit anfangen sollen?



Soll ich nun in meiner Limousine durch das Nirvana der Erleuchtung streifen, ohne je einen unerfüllbaren Wunsch zu verspüren? Soll ich im hier und jetzt jegliches Leid loslassen, um mich auf den Pfad der Weisheit (oder Pinkheit) machen?

Bin ich nun erleuchtet oder geblendet?
Und wie spät ist es, bitte?
Und in Jahren?