27 March 2011

where do I continue? #2

 
Womit soll ich weiterfahren? Es gibt da so vieles... Zum Beispiel einen Anruf von Max dem Bundespolizisten, den ich in der Villa am Hönggerberg bekam. Er machte mir Mut, wünschte mir alles Gute, sagte mir viele Menschen würden zur Zeit an mich denken. Nach diesem Anruf ging ich zurück ins Zimmer und weinte zuerst einmal eine Runde. Ich war völlig am Ende mit den Nerven. Ich war ein Wrack.

Am nächsten Tag begann die Post abzugehen. Der Pfleger Gabriel machte den Anfang. Dann folgte ein Schlag auf den Anderen. Eine Pflegerin griff mich verbal an, suchte ganz eindeutig und offensichtlich die Konfrontation. Wie ich sagte: Ich war damals ein Nerven-Bündel. Er hätte schon gereicht, wenn die Pflegerin laut "Buhhh!" geschrien hätte: Ich wäre zitternd und heulend zusammengebrochen. Und sie hat laut Buhhh geschrien Sie beschuldigte mich, mich aus dem Haus entfernt zu haben. Und dies, und jenes. Lauter erfundenes Zeugs. Schliesslich wurde ich raus geschmissen.

Monate später traf ich wieder Max. Ich gab ihm zu verstehen, ich hätte gerne Erklärungen. Ich meine: Wie kommt es, dass er mich gerade am Abend bevor die Angriffe losgehen anruft, mir sagt dass viele Menschen an mich denken? Wie kommt es, dass so viel Unrechtes unter den Augen der Bundespolizei geschehen kann? Wie um alles in der Welt kann mit ansehen, wie ich vor die Hunde gehe und dies alles zulassen? Max hat es nicht leicht. Er muss noch einen drauflegen. Weshalb, das weiss nur er und irgendwelche Wahnärzte. Vielleicht die eine oder andere Versicherung. Jedenfalls, bei einem Treffen, anstatt dass er auf mich eingehen würde wie er es eigentlich immer zuvor getan hatte, beginnt er mich herablassend und entwürdigend zu behandeln, ganz im Stil der Ärzte in der Harten Klinik. Dieser abrupte Wandel in Max verhalten kam nach der Villa am Hönggerberg. Weshalb? Ich weiss es bis heute nicht. Ich weiss, dass ich Max sagte, ich hätte gerne einige Erklärungen. Er konterte, ich würde ja gar nicht wissen, was ich würde fragen wollen. Und so weiter. Er meinte, ich hänge ja nur an der Nadel. Ich antwortete zwar, ich hänge nicht an der Nadel sondern sie an mir, doch dies ist nebensächlich. Jedenfalls ging es so weit, dass ich wirklich kurz davor stand, Max eine in die Fresse zu hauen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt machte er auch einen Schritt zurück. Ich weiss nicht wie schnell ich am Boden gewesen wäre, jedenfalls gab es diesen kurzen Augenblick, in dem sich selbst Max auf einen Schlag gefasst machte. Später sagte ich ihm, es habe wenig gefehlt, dass ich reingehauen hätte. Er meinte, wie hätten dann ein Problem gehabt. So ist er, Max. Mehr sagte er nicht dazu.

Leider sagte er auch nicht mehr dazu, weshalb er sich nun so blöd anstellen musste. Dies hätte mich nämlich viel mehr interessiert. Bis heute weiss ich es nicht. Was ich weiss ist, dass ich mich alleine fühlen sollte. Nicht von Max unterstützt. Nicht von meiner Mutter. Nicht von irgendwem. Weshalb? Keine Ahnung... Vielleicht wäre ich ja noch auf die Idee gekommen, die Junge Dame hätte mich geködert.

Mein Gott. Selbst beim Schreiben dieser verdrehten Gedankengänge einer Wahnaffen tut es weh. Selbst wenn es nicht meine verdrehte Gedanken sind. Es tut weh weil ich mir gleichzeitig vor Augen halten muss, dass solche Menschen die Verantwortung über Tausender Patienten haben. Menschen, die nach seelischer Genesung suchen. Sie raten in den Händen von Menschen, die noch viel viel kaputter sind als man sich je würde erträumen lassen.

Ich rufe Max nicht mehr an. Ich sehe ihn nicht mehr. Auch mit Achmed habe ich keinen Kontakt. Gerade letztens sagte ich zu meiner Mutter, es würde mich nur belasten. Ich könne zur Zeit nicht Kontakt zu Menschen haben die ich eigentlich mag und die aber nicht offen zu mir sein können. Das würde mich jedes mal belasten. Und so sitze ich hier und denke darüber nach, womit ich weitermachen soll...