03 January 2011

alt & neu

 
Verantwortung übernehmen: Für einen Andrew im K&A Oerlikon heisst das zur Zeit weiterhin die selben Aussagen zu machen, die er nach der Harten Klinik zum Besten gab. Für ihn und seine Kollegen. Damals ging er sogar so weit mir zu sagen, er würde mir einen solchen Fusstritt verpassen, dass sein Schuh in meinem Arsch stecken bleiben würde. Welshalb? Weil ich vom Angebot seines Arbeitgebers gebrauch machen möchte: Ich bin auf dem Weg in den "Konsum-Raum". Nicht mehr, nicht weniger. Jetzt, wo jeder die Geschichte einigermassen kennt, kommt er und sagt mir ich solle — wenn ich über Weihnachten ins Tessin fahre — so lange wie möglich bei meiner Mutter bleiben. Er sagt mir das, obwohl er sich sichtlich nicht wohl fühlt dabei. Er kennt die Geschichte, wie inzwischen viele es tun, doch er weiss einen Dreck darüber, wie mein Alltag aussieht. Er sieht mich hin und wieder im K&A, damit hat sich's aber auch schon. Sollte man denken... Seine Kollegin wusste jedoch, was in einer bestimmten Nacht geschah, nach der Harten Klinik. Der Typ der noch einige Tränen weinte, vor Jahren, berührt Andrew im vorbeilaufen an der Schulter, um ihm seinen Beistand zu bekunden.

Es gab eine Zeit, nach der Harten Klinik, da wäre ich nicht drum herum gekommen mir zu überlegen, ob ich Andrew jetzt nicht am Liebsten einen "Fadengraden" verpassen würde. Denn ich empfand das als einen äusserst niederträchtigen Angriff, hatte ich doch weiss Gott andere Sorgen. Inzwischen sind mir dieser Typ und seine klugscheisserischen Aussagen ziemlich egal. Ich erzähle ihm lediglich, dass ich es nicht nötig habe, von Zürich fern zu bleiben. Ich wäre nun in der Lage, auch mit Geld auf dem Konto zu Hause zu bleiben. Keine Drogen zu konsumieren. Die Abstände zwischen einem Konsum und dem Nächsten werden generell grösser. Und die Zeit dazwischen erträglicher. Zumindest weniger unerträglich.

Dazu kommt noch, dass eine ganze Anzahl von Menschen wirklich nicht so blöd tun sollte, mir mein Drogen-Konsum vorzuwerfen. Denn genau diese Menschen sind diejenigen, die von meinem völlig unkontrollierten Konsum nach der Harten Klinik profitiert haben. Hätte ich nicht so dermassen konsumiert, wäre ich wahrscheinlich irgendwann bei ihnen aufgetaucht, um Physiognomie und Anatomie eine neue Definition zu verpassen. Ich würde an ihrer Stelle also nicht all zu viel über Drogen-Abusus fachsimpeln und klugscheissern...

So viel zum neuen Jahr. Und da das alte, im Rückblick, doch noch einige Fortschritte gebracht hat, einige nicht unwesentliche Fortschritte, wünsche ich allen ein weiteres gutes Jahr. Auch Andrew und seinen Kollegen.